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"Es kommt im Leben auf Kleinigkeiten an!" (Johann Heinrich Pestalozzi)
Vier Komma nochwas Kubikmeter – der komprimierte Ausstellungsraum
Text: Gudrun Ziegler
„4, nochwas Kubikmeter“ ist der zur Zeit wohl ungewöhnlichste Ausstellungsraum in Karlsruhe. Ungewöhnlich nicht nur in Bezug auf die Größe der Galerie, die mit 4 Komma nochwas Kubikmetern alle anderen unterbietet, sondern auch in Bezug auf Programm, Konzept und Öffnungszeiten.
„4, nochwas Kubikmeter“, ein gelb gerahmter Kubus mit gläserner Front in den Maßen 185 x 185 x 122 Zentimeter, steht in der Garage der Fasanenstraße 17, im Haus der Ateliergemeinschaft „Wilde Welt“. Die Öffnungszeiten der Galerie ergeben sich aus ihrer unüblichen Lage – denn immer wenn das Garagentor geöffnet ist kann die laufende Ausstellung besichtigt werden. Kurz gesagt: Zu ist zu und auf ist auf!
Initiator und Leiter der „4, nochwas Kubikmeter“ ist Markus Otto Graf, der hier eine neue Plattform für Karlsruher Künstler und Designer geschaffen hat. Im Wechsel von 4 bis 6 Wochen können diese den Raum für Installationen, Ausstellungen oder Events nutzen. Die Möglichkeiten, den Kubus in eine Gemäldegalerie, eine Videoprojektionsbox oder – wie momentan – in eine unendliche, mustergültige Landschaft zu verwandeln, werden durch den Kurator kaum begrenzt. Lediglich die künstlerische aber auch die spielerische Auseinandersetzung mit dem kleinen Raum ist eine der wenigen Vorgaben, die Markus Otto Graf macht.
Schon nach kürzester Zeit – Eröffnung war am 01. September 2005 – hat sich herausgestellt, dass „4, nochwas Kubikmeter“ die Möglichkeit für außergewöhnliche, aktuelle, überraschende und spontane Installationen bietet. Beispielsweise verwandelten Sybille Hummler und Suzana Karadza einen Abend lang den Kubus in ein romantisches, italienisches Restaurant für nur zwei Personen, in dem man ein feines 3-Gänge-Menue genießen konnte. In „Das Kleinste“ wurden die Gäste so zu einem Teil der Installation – man saß sprichwörtlich auf dem Präsentierteller – und vorbeikommende Passanten blickten „neidvoll“ auf die Szenerie. Die Eröffnungsausstellung gestaltete Markus Otto Graf selbst mit den von ihm designten Sitzmöbeln „Ruth“ und „Rimini“. Vor allem bei Rimini, mit der weiß gekachelten und überraschend bequemen Sitzfläche, wird die Arbeitsweise von Markus Otto Graf deutlich: Er hinterfragt bestehende Muster, um neue Sichtweisen zu eröffnen und ist bereit konventionelle Wege zu verlassen. Auch „4, nochwas Kubikmeter“ hat nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit der klassischen Galerie als Ort der Begegnung zwischen Menschen, die ausstellen und Menschen, die vorbeischauen.
Bei „4, nochwas Kubikmeter“ entfällt vor allem der kommerzielle Aspekt. Weder kann gekauft noch kann verkauft werden. Markus Otto Graf hat hier einen Raum für Künstler und Designer geschaffen, die bereit sind, sich mit den vorgegebenen räumlichen Dimensionen auseinanderzusetzen. Das heißt, „4, nochwas Kubikmeter“ zeigt neue, für den Augenblick konzipierte Welten. Spontaneität und Experimentierfreudigkeit stehen im Vordergrund. Dies wurde besonders bei der Dezemberausstellung von Markus Otto Graf deutlich, die genau für diesen Ort und für diesen Moment geschaffen wurde. „Oh weih, oh weih“ zeigte drei überlebensgroße Plastikweihnachtsmänner, die sich – durch eine Zeitschaltuhr gesteuert – aufbliesen, dicht gedrängt den kleinen Raum mehr als ausfüllten, um dann wieder in sich zusammenzufallen. Die Ausstellung von Flurin Madsen im November war dagegen Teil einer bereits in der Hochschule für Gestaltung präsentierten 4-teiligen Installation mit dem Titel „Schließlich dreht sich die Erde nicht quietschend und knirschend um die Sonne, damit die Menschen etwas zu lachen haben und sich amüsieren.“ Alltägliche, menschliche Handlungen, wie z.B. aufstehen, nachdenken, arbeiten, werden von elektronisch gesteuerten Maschinen nachgeahmt und ergeben im Zusammenspiel einen eigenen metronomischen „Lebensrhythmus“.
Die Galerie „4, nochwas Kubikmeter“ ist ein kleiner aber kompakter Raum der ganz viel Platz für Kunst lässt. |